SwiSCI
Swiss Spinal Cord Injury Cohort Study
Schweizer Kohortenstudie für Menschen mit Rückenmarksverletzungen

Das "Sonnenhormon" Vitamin D: Fast alle haben einen Mangel

Das "Sonnenhormon" Vitamin D: Fast alle haben einen Mangel

Das "Sonnenhormon" Vitamin D: Fast alle haben einen Mangel

Unter Menschen mit Querschnittlähmung ist ein Vitamin D Mangel weit verbreitet: Bis zu 93% sind davon betroffen. Warum das so ist, welche Folgen ein Vitamin D Mangel haben kann, und in welcher Dosierung eine Supplementierung für Querschnittgelähmte sinnvoll ist, wird aktuell in einer Studie am Schweizer Paraplegiker Zentrum erforscht.

Warum brauchen wir Vitamin D?

Eigentlich ist Vitamin D gar kein Vitamin. Die Substanz ähnelt eher einem Hormon, das vom Körper selbst hergestellt wird – aber hauptsächlich nur mithilfe des Sonnenlichts. Zu einem geringen Teil kann es auch aus tierischen Quellen gewonnen werden, zum Beispiel beim Verzehr fetthaltiger Fische wie Lachs, Hering oder Makrele.

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Expert*innen empfehlen eine Sonnenbestrahlung von Gesicht, Armen und Beinen zweimal pro Woche für je 5-30 Minuten. Wichtig: Sonnenbrand vermeiden, aber keine Sonnencremes verwenden. Diese reduzieren die Vitamin-D-Aufnahme. Faktenblatt Vitamin D und Sonnenstrahlung

Dank Vitamin D kann unser Körper Kalzium aus Lebensmitteln aufnehmen. Das härtet Knochen und Zähne. Außerdem beeinflusst es unser Immunsystem und die Muskelkraft, und spielt eine wichtige Rolle bei Stoffwechselvorgängen. Ein Mangel kann beispielsweise dazu führen, dass die Knochendichte abnimmt, Schmerzen entstehen und die Muskeln an Kraft verlieren. Bei Menschen mit einer Querschnittlähmung ist ein Mangel ausserdem mit Atemproblemen, vermehrten Infektionen, Druckstellen, Depressionen und einer geringeren körperlichen Funktionsfähigkeit verbunden [3], [4] - genügend Gründe also, diesen Mangel langfristig zu beheben.

Supplementierung bereits während der Erstrehabilitation empfohlen

Menschen mit Querschnittlähmung haben sehr häufig einen Vitamin D Mangel: Studien sprechen von bis zu 93% aller Betroffenen, deren Vitamin D Status zu gering ist. [1] Demgegenüber stehen etwa 40% in der Gesamtbevölkerung. [2]

Bisher fehlten wissenschaftsbasierte Erkenntnisse zur optimalen Dosierung von Vitamin D Supplementen für Menschen mit Querschnittlähmung weitgehend. Wissenschaftlerinnen des Schweizer Paraplegiker-Zentrum dokumentierten den Vitamin D Status bei 95 Patient*innen rund 14 Tage nach Eintritt der Querschnittlähmung regelmässig alle 4 Wochen bis zum Austritt. Sie konnten feststellen, dass fast alle Betroffenen bereits bei der ersten Messung einen ungenügenden Vitamin D Spiegel haben. Dies kann sich aufgrund der genannten Risiken nachteilig auf die Fortschritte in der Rehabilitation auswirken. Etwa 80% der Studienteilnehmenden erhielten ein Vitamin D Supplement von 1300-1400 Einheiten pro Tag, trotzdem hatte fast die Hälfte aller Studienteilnehmenden nach vier Monaten immer noch einen ungenügenden Vitamin D Spiegel. [5] Deshalb ist eine Supplementierung bereits in dieser ersten Phase sehr empfehlenswert. Ausserdem sind zukünftig weitere Studien zur Dosierung und Wirksamkeit nötig.

Wir suchen weitere Studienteilnehmende!

Um vertiefte Erkenntnisse zur Vitamin D Supplementierung im ausserklinischen Bereich zu erhalten, suchen wir interessierte Studienteilnehmer*innen, deren Querschnitt-Diagnose mindestens drei Jahre zurückliegt, und deren Läsionshöhe unterhalb C4 ist. In der Studie wird der Einfluss einer 12-monatigen Supplementierung untersucht.

Helfen Sie mit herauszufinden, wie ein Vitamin D Mangel zukünftig besser behandelt werden kann! Als Dank stellen wir Ihnen Ihre individuellen Studienresultate zusammen, damit Sie Ihren Vitamin D Haushalt optimieren können!

Mehr Informationen bei Studienleiterin Anneke Hertig Godeschalk:

Referenzen

[1] Flueck JL. Perret C: Vitamin D deficiency in individuals with a spinal cord injury: a literature review. Spinal Cord 2017; 55(5): 428-34.

[2] Amrein K, Scherkl M, Hoffmann M, et al.: Vitamin D deficiency 2.0: an update on the current status worldwide. Eur J Clin Nutr 2020;74(11):1498-513.

[3] Barbonetti A, Sperandio A, Micillo A, et al.: Independent association of vitamin D with physical function in people with chronic spinal cord injury. Arch Phys Med Rehabil 2016; 97(5):726-32.

[4] Lussi C, Frotzler A, Jenny A, et al: Nutritional blood parameters and nutritional risk screening in patients with spinal cord injury and deep pressure ulcer - a retrospective chart analysis. Spinal Cord 2018; 56(2):168-75.

[5] Hertig Godeschalk, A, Flueck JL, et al, unveröffentlichte Studie, wird bei einem wissenschaftlichen Journal 2022 eingereicht.

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