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Bewegung & Sport

Tennis spielen im Rollstuhl

Sport und Gesundheit – Wer erreicht die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation?

Über das Ausmaß der körperlichen Aktivität bei Menschen mit Querschnittlähmung in der Schweiz ist bisher wenig bekannt. Eine SwiSCI Studie gibt nun einen ersten Einblick. 

Die Autoren der Studie untersuchten, welche Personen die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur körperlichen Aktivität erreichen, wer eher inaktiv ist und wer zukünftig speziell gefördert werden sollte.

Körperliche Aktivität ist ein wichtiger Bestandteil eines gesundheitsfördernden Lebensstils. Sie sorgt für eine gute Durchblutung der Gefäße, regt den Stoffwechsel an und hat einen positiven Einfluss auf das Immunsystem und die psychische Gesundheit. Durch regelmässige Aktivität lässt sich das Risiko für die Entstehung von Herzerkrankungen, Übergewicht und Knochenschwund reduzieren [1, 2]. Gerade Menschen mit einer Querschnittlähmung haben dafür ein erhöhtes Risiko, weshalb körperliche Aktivität für sie umso wichtiger ist [3]

Empfehlungen der WHO zur körperlichen Aktivität mit dem Ziel eines gesundheitlichen Nutzens

  • Mindestens 2.5 Stunden pro Woche an Ausdauerbelastung mit mindestens moderater Intensität (ins Atmen und Schwitzen kommen)

  • Mindestens 2x pro Woche Übungen zur Muskelkräftigung

Diese Empfehlungen gelten allgemein, das heisst einschliesslich für Menschen mit Behinderungen. Gleichwohl wurde die Übertragbarkeit dieser Empfehlungen auf Menschen mit Querschnittlähmung bisher noch nicht untersucht.

Am häufigsten sind leichte Ausdauerbelastungen

In der SwiSCI Studie [4] gab die Hälfte der 485 Studienteilnehmer an, insgesamt mindestens 6 Stunden pro Woche körperlich aktiv zu sein. Die meiste Zeit verbrachten die Befragten mit Ausdauerbelastungen in nur leichter Intensität (circa 3 Stunden). Darüber hinaus wendete die Hälfte der Befragten weniger als 1 Stunde pro Woche für Übungen zur Muskelkräftigung auf.

Bedeutsame Unterschiede hinsichtlich der Gesamtzeit an körperlicher Aktivität zeigten sich vor allem zwischen den unter 30-jährigen (ca. 9 Std/Woche) und den über 71-jährigen (4.5 Std/Woche), sowie den Nutzern eines manuellen Rollstuhles (ca. 7 Std/Woche) und den Nutzern eines elektr. Rollstuhles (ca. 4 Std/Woche).

18% der Befragten gaben an, gar nicht körperlich aktiv zu sein. Besonders viele Nicht-Aktive finden sich unter den über 70-jährigen, in den ersten fünf Jahren nach Beginn der Querschnittlähmung, bei Personen mit einer kompletten Tetraplegie, bei inkomplett Gelähmten und bei den Nutzern eines elektrischen Rollstuhles.

Jeder zweite erreicht die Empfehlungen der WHO

Insgesamt erreichen circa 50% der Befragten die Empfehlungen der WHO zur Ausdauerbelastung. Bedeutsame Unterschiede finden sich nach:

  • Geschlecht (51% der Männer und 41% der Frauen erreichen die Ausdauerempfehlungen)
  • Alter (Abbildung 1)
  • Läsionshöhe (52% der Paraplegiker und 41% der Tetraplegiker erreichen die Ausdauerempfehlungen)
  • Art der Fortbewegung (Abbildung 2)

Abbildung 1: Anteil der Personen, die die WHO-Empfehlungen zur Ausdauerbelastung erreichen, bezogen auf das Alter:

Abbildung 1: Wer erreicht die Empfehlungen der WHO?

Abbildung 2: Anteil der Personen, die die WHO-Empfehlungen zur Ausdauerbelastung erreichen, bezogen auf die Art der Fortbewegung:

Abbildung 2: Wer erreicht die Empfehlungen der WHO?

Erfreulicherweise ist der Anteil an Personen, die sich regelmässig gemäss der WHO Empfehlungen bewegen, recht hoch. Bestimmte Personengruppen erreichen die Empfehlungen zu einem grossen Teil aber oft nicht. Deshalb sollten Programme zur Förderung von körperlicher Aktivität insbesondere die Bedürfnisse von Frauen, älteren Menschen, Personen mit einer Tetraplegie, Nutzern eines elektrischen Rollstuhls und querschnittgelähmten Fussgängern besonders berücksichtigen.

[1] Warburton DE, Nicol CW, Bredin SS (2006) Health benefits of physical activity: the evidence. CMAJ 174:801–809. doi:10. 1503/cmaj.051351
[2] ODPHP (2008) Physical activity guidelines for Americans. Office of Disease Prevention and Health Promotion—US Department of Health and Human Services. http://www.health.gov/paguidelines. Accessed 08 March 2016.
[3] Cragg JJ, Noonan VK, Krassioukov A, Borisoff J (2013) Cardiovascular disease and spinal cord injury: results from a national population health survey. Neurology 81:723–728.
[4] Alexandra Rauch, Timo Hinrichs, Cornelia Oberhauser, Alarcos Cieza. Do people with spinal cord injury meet the WHO recommendations on physical activity? International Journal of Public Health, 2016, Vol. 61, Issue 1.

Tags: Gesundheit, Sport, Gesundheitsverhalten

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