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Handbikefahrer

Wer sind die typischen Nutzer von Handbikes?

Der Sommer ist die ideale Jahreszeit für gemütliche Touren in der Natur oder auch sportliche Herausforderungen. Handbikefahren bietet für Menschen mit Querschnittlähmung eine geeignete Möglichkeit, sich zu bewegen und etwas für die eigene Gesundheit zu tun. Es lässt sich leicht in den Alltag integrieren und bereitet grosses Vergnügen.

Warum ist das Handbikefahren gesund?

Verschiedene Studien zum Handbiken bestätigen, dass sich die Benutzung eines Handbikes in vielerlei Hinsicht positiv auf den Körper auswirkt: Die Kraftübertragung ist effizient und die Schultern werden deutlich weniger als beim normalen Rollstuhl belastet. Dadurch sinkt das Risiko für Schulterschmerzen. Ganz allgemein steigert ein regelmässiges Training die Kondition und verringert die Gefahr für Herzkreislauferkrankungen oder Diabetes.

Regelmässiges Handbiken ist somit eine geeignete Möglichkeit, bis ins hohe Alter aktiv zu sein. Daneben fördert das Handbiken auch die soziale Integration: Gruppen von Handbikern und Radfahrern, Skatern und Läufern können je nach Trainingsstand und Geschwindigkeit zusammen Ausflüge unternehmen oder trainieren. [1-3]

All dies führte in den letzten Jahren dazu, dass das Handbiken immer mehr Anhänger gewinnt. In vielen Rollstuhlsportvereinen bilden Handbiker bereits eigene Abteilungen.

Handbike und Gesundheit

Nutzer von Handbikes

Wissenschaftler publizierten SwiSCI Daten, die die Nutzung des Handbikes bei querschnittgelähmten Menschen zum ersten Mal für die Schweiz abbilden. Die Studie untersuchte, wer die typischen Nutzer des Handbikes sind.

Verteilung

Knapp ein Viertel der querschnittgelähmten Bevölkerung in der Schweiz nutzt das Handbike als Fortbewegungsmittel. Dies ist in etwa vergleichbar mit anderen europäischen Ländern, wie Dänemark oder den Niederlanden. In konkreten Zahlen ausgedrückt bedeutet dies: Von 1549 Studienteilnehmern nutzen 350 Personen ein Handbike, das sind 23%.

Das Handbike wird öfter von Männern genutzt als von Frauen: 78% der Handbike Nutzer sind Männer.

Am häufigsten wird es von Personen gefahren, die zwischen 31 und 45 Jahren alt sind. Mit zunehmendem Alter nimmt die Benutzung des Handbikes ab. Menschen über 62 Jahren nutzen das Handbike kaum noch, was auf die nachlassende Muskelkraft zurückzuführen sein könnte, vermuten die Autoren.

Diagramm 01-01

Verteilung der Handbike-Nutzer in der SwiSCI Studie (Total 1549 Teilnehmer):
■ Nutzer Handbike: 350, Nicht-Nutzer: 1199, ■ Nutzer Männer: 273 ■ Nutzer Frauen: 77

Lähmungsgrad

Der überwiegende Anteil der Handbike-Nutzer (58%) hat eine Paraplegie mit einer kompletten Lähmung. Komplett heisst, dass Muskelkraft und Empfindungsvermögen der betroffenen Regionen vollständig fehlen. Für diese Form der Querschnittlähmung eignet sich das Handbike besonders, da die Betroffenen zwar auf den Rollstuhl angewiesen sind, aber ihre Arm-, Schulter und teilweise Rumpfkraft einsetzen können. Bei inkompletten Lähmungen ist eine Restmotorik und/oder eine Restsensibilität vorhanden. Menschen mit dieser Lähmungsform nutzen das Handbike am wenigsten, weil sie unter Umständen noch gehen können oder nicht vollständig vom Rollstuhl abhängig sind.

Diagramm 01-02

Lähmungsgrad:
■ Paraplegie (79%), ■ Tetraplegie (21%)
■ inkomplette Paraplegie (20.6%), ■ komplette Paraplegie (58%), ■ inkomplette Tetraplegie (10,3%), ■ komplette Tetraplegie (11,1%)

Einkommen

Die Handbike-Nutzer haben im Vergleich zu den Nicht-Nutzern tendenziell ein höheres Haushaltseinkommen: 63% der Handbiker geben ein mittleres (ab 3500 CHF) oder ein hohes (ab 4643 CHF) Haushaltseinkommen an. Im Gegensatz dazu liegt dieser Anteil bei den Nicht-Nutzern bei lediglich 49%.

Regionale Verbreitung

Aus den Studiendaten geht hervor, dass der höchste Anteil der Handbike-Nutzer in der deutschsprachigen Schweiz lebt: Von allen deutschsprachigen Studienteilnehmern nutzen 27% ein Handbike, in der französischsprachigen Schweiz sind es lediglich 13% und von allen italienisch-sprachigen Teilnehmern nutzen 18% ein Handbike. Die höhere sportliche Aktivität in der deutschsprachigen Schweiz gegenüber den französisch- oder italienischsprachigen Kantonen bestätigt übrigens auch eine aktuelle Studie in der generellen Bevölkerung. [4] 

Was lässt sich aus dieser Studie für zukünftige Gesundheitsprogramme ableiten? 

Diese Studie kann als Grundlage für Gesundheitsprogramme dienen, die die Nutzung des Handbikes für Menschen mit Behinderungen fördern möchten.

In der Gruppe der Nicht-Nutzer geben 26% an, kein Interesse am Handbike zu haben, 19% kennen das Handbike gar nicht und für 14% ist der Anschaffungspreis zu hoch. Gezielte Informationskampagnen würden nach Meinung der Autoren helfen, mehr Betroffene über das Handbike zu informieren und von den positiven Auswirkungen auf Gesundheit und Lebensqualität zu überzeugen.

Von Informationen über eine elektronische Unterstützung des Handbikes würden beispielsweise Menschen mit wenig oder nachlassender Kraft (z.B. ältere Personen) profitieren. Spezielle Trainings und Probefahrten wären geeignet, Interesse zu wecken und Bedenken auszuräumen.

Aufklärung über Fördermöglichkeiten bei Stiftungen, Occasionsverkäufe und Bike-Sharing-Systeme könnten speziell Menschen mit niedrigeren Haushaltseinkommen ansprechen, den Kauf eines Handbike in Erwägung zu ziehen.

Auch querschnittgelähmte Personen, die das Handbike weniger als 1x pro Monat nutzen, könnten durch gezielte Informationen motiviert werden, öfter eine Fahrt mit dem Handbike zu unternehmen. Denn wie eine Studie bestätigt, kommt der positive Einfluss auf die Gesundheit erst dann zum Tragen, wenn das Handbike mindestens 1x pro Woche genutzt wird. [5]

Informationen über Rollstuhlclubs in der Nähe des Wohnortes könnten Betroffene motivieren, regelmässiger mit dem Handbike zu fahren und im Austausch mit Gleichgesinnten zu stehen.

Zusammenfassung: Das sind die typischen Handbike-Nutzer

Die SwiSCI Studie konnte zeigen, dass das Handbike bereits von knapp einem Viertel der Menschen mit Querschnittlähmung in der Schweiz genutzt wird. Die typischen Handbike-Nutzer sind Männer im Alter von 31 bis 45 Jahren, die ein mittleres Haushaltseinkommen besitzen, Deutsch sprechen und eine komplette Paraplegie haben.

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Information

Handbikes können in verschiedene Kategorien unterteilt werden: Allroundbikes für den täglichen Gebrauch lassen sich über verschiedene Systeme an den eigenen Rollstuhl ankuppeln. Wer schneller mit seinem eigenen Rollstuhl unterwegs sein möchte, kann ein Sportbike benutzen. Es wird wie ein Allroundbike an den Rollstuhl gekuppelt, ist durch Geometrie, Komponenten und die Auswahl der verarbeiteten Materialien aber ganz auf ein zügiges Fahren ausgerichtet. Schliesslich gibt es Rennbikes, die nur für den Sportbereich bestimmt sind (Deutscher Rollstuhlsportverband, http://www.myhandicap.ch/). Personen mit
eingeschränkter Armkraft können ihr Handbike auch mit einem unterstützenden Elektromotor ausrüsten.

Referenzen

[1] Arnet U. et al. Shoulder load during synchronous handcycling and handrim wheelchair propulsion in persons with paraplegia. J Rehab Med 2012;44:222-8
[2] Valent LJ. et al. Influence of hand cycling on physical capacity in the rehabilitation of persons with a spinal cord injury: a longitudinal cohort study. Arch Phys Med Rehabil 2008;89:1016-22
[3] Stevens SL. et al. Physical activity and quality of life in adults with spinal cord injury. J Spinal Cord Med 2008;31:373-8
[4] Wanner M. et al: What physical activity surveillance needs: validity of a single-item questionnaire. Br J Sports Med 2014; 48:1570-6
[5] Valent LJ. et al. Influence of hand cycling on physical capacity in the rehabilitation of persons with a spinal cord injury: a longitudinal cohort study. Arch Phys Med Rehabil 2008;89:1016-22

Tags: Gesundheit, Verteilung, Alltag, Häufigkeit , Handbike, Sport, Fortbewegung

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