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Christine Fekete

Die pro-WELL Projektleiterin Christine Fekete erklärt die Studienresultate

Frau Fekete, in der pro-WELL Studie weisen Sie nach, dass sich Querschnittgelähmte häufiger einsam fühlen, als ihre Partner. Und das, obwohl die Personen weder alleine leben noch sozial isoliert sind. Wie lässt sich dies erklären?

Das erhöhte Empfinden von Einsamkeit bei Querschnittgelähmten deutet auf ein generelles Problem von Menschen mit einer Behinderung hin. Wir vermuten, dass Einsamkeit Ausdruck eines Gefühls ist, nicht ausreichend am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können und nicht voll und ganz integriert und akzeptiert zu sein. Dieses Gefühl ist beispielsweise typisch für Menschen, die wegen eingeschränkter Mobilität oder gesundheitlichen Probleme in ihrem Bewegungsradius eingeschränkt sind und wenig Aktivitäten ausser Haus erleben. Gefühle von Einsamkeit können aber auch entstehen, wenn sinnstiftende Aufgaben fehlen oder das Selbstwertgefühl so weit angegriffen ist, dass man sich nicht mehr zugehörig fühlt. Diese Phänomene sind bei Menschen mit einer Behinderung durchaus häufiger anzutreffen, als bei Menschen ohne Einschränkungen.

Auf was sollten Partner Ihrer Meinung nach besonders achten, wenn einer der beiden plötzlich querschnittgelähmt ist. Was kann dazu beitragen, dass beide Partner zufrieden sind?

Unsere Studie bestätigt, was wir bereits aus Studien in der Gesamtbevölkerung kennen: Die Balance zwischen Geben und Nehmen ist ein sehr wichtiger Teil der Beziehung. Wir raten, die Bedürfnisse beider Partner genau zu beleuchten und abzuwägen, wie der Alltag organisiert werden kann, damit beide Personen sinnstiftenden Aufgaben nachgehen können und genügend Raum für sich erhalten. Bei Paaren, bei denen ein Partner eine Krankheit oder Behinderung hat, besteht die Gefahr, dass die Beziehung aus der Balance gerät, da eine Person mehr Unterstützung braucht. Wie bei allen Paarbeziehungen ist eine offene Kommunikation über Bedürfnisse also ein zentraler Punkt, um als Paar zufrieden zu bleiben. Eine Beratung durch erfahrene Psychotherapeuten kann ebenfalls helfen, die herausfordernde Phase der Neu-Findung als Paar erfolgreich zu meistern.

Weshalb sind starke Beziehungen so wichtig für die Gesundheit und das Wohlbefinden?

Aus der Stressforschung wissen wir, dass chronischer Stress langfristig die Gesundheit schädigt. Dies geschieht, weil der Körper in andauernder Alarmbereitschaft steht und beispielsweise über längeren Zeitraum vermehrt Stresshormone ausschüttet. Gute zwischenmenschliche Beziehungen haben einen messbaren positiven Effekt auf die Gesundheit, weil sie dazu beitragen, Stressempfindungen und damit verbundene körperliche Reaktionen abzudämpfen. Bereits ein aufmunterndes Wort des Partners oder eines Freundes kann beispielsweise entscheidend dazu beitragen, dass negative Emotionen oder Stress abgebaut werden.

Wie merkt der nicht gelähmte Partner überhaupt, dass seine Gesundheit durch die Pflegeaufgaben leidet? Was wären Anzeichen dafür?

Meistens zeigen sich als Erstes depressive Verstimmungen, Symptome von Ängstlichkeit und allgemeiner Erschöpfung. Oft ziehen sich die Betroffenen zurück, gehen zum Beispiel weniger aus dem Haus oder haben kaum mehr Energie, sich mit Freunden zu treffen. Die Symptome ähneln einer Burn-out Symptomatik und sollten sehr ernst genommen werden. Werden sie chronisch, können sich weitere stress-bedingte körperliche Erkrankungen entwickeln, wie zum Beispiel Schlafstörungen oder Herz-Kreislauf Probleme. Es ist also dringend zu empfehlen, dass sich Partner bei länger anhaltenden Anzeichen von emotionaler Bedrücktheit oder Erschöpfung an Fachleute wenden.

Tags: Zufriedenheit, Partnerschaft, Pflege, social productivity,

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