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Produktives Engagement, soziale Beziehungen und Gesundheit – Die pro-WELL Studie zeigt Zusammenhänge auf

Bezahlte Arbeit hat in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert: Sie trägt nicht nur dazu bei, den Lebensunterhalt zu sichern, sondern bildet auch einen Teil der persönlichen Identität.
Bezahlte Arbeit ist im Idealfall sinnstiftend und trägt zur Entfaltung persönlicher Fähigkeiten bei. Menschen mit einer Behinderung oder Menschen, die stark in die Pflege von Angehörigen eingebunden sind, ist es teilweise nicht möglich, einer bezahlten Arbeit nachzugehen. Daher ist es wichtig, auch unbezahlte produktive Aktivitäten, wie etwa Freiwilligenarbeit, Hausarbeit oder Pflegearbeit wissenschaftlich zu untersuchen. Mit der pro-WELL Studie haben wir die Frage gestellt, inwiefern diese mit der Gesundheit und dem Wohlbefinden zusammenhängen.

Die Studie wurde drei Jahre vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützt. Für die Vertiefung der bestehenden Resultate wird pro-WELL unter Leitung von Dr. Christine Fekete zwei weitere Jahre durch den SNF finanziert.

Produktives Engagement: Mehr als bezahlte Arbeit

Aus den SwiSCI Daten wissen wir, dass Menschen von einer besseren mentalen Gesundheit und einem höherem Wohlbefinden berichten, wenn sie in produktive Aktivitäten eingebunden sind. Für ihre Gesundheit ist es jedoch nicht nur relevant, ob und wie viel sich die Personen engagieren. Ausschlaggebend ist, inwiefern produktive Aktivitäten eine Chance bieten, positive Erfahrungen zu machen.

So zeigt die pro-WELL Studie eindrucksvoll, dass das Wohlbefinden von Menschen mit einer Rückenmarkverletzung und deren Partnern deutlich gestärkt wird, wenn sie für ihre bezahlte oder unbezahlte Arbeit genügend Wertschätzung vom Umfeld erfahren. Förderlich ist es zudem, wenn sie ihre Tätigkeiten selbstbestimmt ausführen können. Fühlt sich eine Person fremdbestimmt, so hat dies einen negativen Einfluss auf ihre Gesundheit.

Wenn Partner die Pflege übernehmen…

Den querschnittgelähmten Partner zu unterstützen, scheint für viele der befragten Personen selbstverständlich.

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Eine gute Paarbeziehung kann die Pflegebelastung abfedern.

In guten Paarbeziehungen wird die Pflege gar als sinnstiftend und befriedigend wahrgenommen, was wiederum einen positiven Effekt auf die psychische Gesundheit hat. Pro-WELL Resultate belegen jedoch, dass Unterstützung und Pflege auch kritisch für die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden werden können, wenn…

  • die Pflegerolle als emotional belastend empfunden wird,
  • sich das Gefühl von fehlender Kontrolle über die Aufgaben einstellt,
  • die Pflegeleistungen zu wenig wertgeschätzt werden, oder
  • die Pflegeaufgaben im Konflikt mit der eigenen Berufstätigkeit stehen.

Damit Angehörige nicht dauerhaft durch die Pflegeaufgaben überlastet werden, sollten sie Entlastungsmöglichkeiten suchen oder sich von Fachpersonen beraten lassen. Hier finden Sie eine Liste mit wichtigen Beratungsstellen!

Der Einfluss von sozialen Beziehungen auf die Gesundheit

Auf die Qualität kommt es an

Es gibt vielfältige Merkmale, um soziale Beziehungen zu beschreiben und zu erforschen: So lassen sich die Häufigkeit von Kontakten, die Grösse des Bekanntenkreises, die Anzahl enger Freunde, die Möglichkeiten sozialer Unterstützung, die Beziehungsqualität oder Gefühle von Einsamkeit als wesentliche Bestandteile von Sozialbeziehungen nennen. Doch inwiefern sind diese unterschiedlichen Faktoren zwischenmenschlicher Beziehungen prägend für die Gesundheit und das Wohlbefinden?

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Eine gute Paarbeziehung kann die Pflegebelastung abfedern.

Unsere Forschung hat gezeigt, dass die Qualität von Beziehungen entscheidend für die psychische Gesundheit ist. Bei Paarbeziehungen wird dieser Zusammenhang umso deutlicher: Wenn Paare sich gegenseitig unterstützen, ihre Beziehung als ausgewogen empfinden und bewusst pflegen, so sind sie generell zufriedener mit ihrem Leben und haben eine stabilere psychische Verfassung. Die Quantität von Beziehungen hingegen, also wie viel oder wie oft man Kontakt mit Freunden oder Familie hat, scheint für die Gesundheit weniger wichtig zu sein.

Einsamkeit trotz Partnerschaft?

Ein zentraler Befund der Studie ist, dass sich Menschen mit einer Rückenmarksverletzung häufiger einsam fühlen, als ihre Partner ohne Behinderung. Sich einsam fühlen – Führt dies zu Unzufriedenheit und Depressionen, sollte man sich Hilfe suchenViele Studienteilnehmer fühlen sich einsam, obwohl sie in Partnerschaft leben und häufig Kontakt mit Familie und Freunden haben (Abbildung 1). 

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Abbildung 1: Etwa jede zweite Person mit einer Rückenmarkverletzung fühlt sich manchmal oder oft einsam.

Dies bleibt langfristig nicht folgenlos: Fühlen sich Menschen oft einsam, dann sind sie häufig in einer schlechteren psychischen Verfassung und mit ihrem Leben unzufrieden bis hin zu Depressionen. Betroffene Menschen können versuchen, bestehende Beziehungen zu stärken, indem sie bewusst mehr freie Zeit mit nahestehenden Personen verbringen und mit ihnen über ihre Einsamkeitsgefühle sprechen. Hilfreich kann es auch sein, sich mit Personen auszutauschen, die in einer ähnlichen Situation sind. Das gegenseitige Verständnis für die täglichen Herausforderungen kann das Gefühl lindern, alleine zu sein. Auch eine Beratung oder Therapie mit Fachpersonen könnte helfen, sich beispielsweise in Gruppen wohler zu fühlen (Beratungsstellen). 

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