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Harnwegsinfektionen: eine (un)- vermeidbare Komplikation bei Querschnittlähmung?

Harnwegsinfektionen sind eine der häufigsten Komplikationen bei einer Rückenmarksverletzung: 59% der Betroffenen leiden darunter [1]. Hauptursache sind Bakterien aus dem Darm, die aus der Umgebung der Harnröhrenöffnung in die Harnröhre und die Blase aufsteigen. Bei schweren Infektionen steigt die Infektion weiter in die Harnleiter bis in das Nierenbecken.

Häufig wiederkehrende Infektionen können die Lebensqualität Betroffener immens herabsetzen, so wie bei dieser Teilnehmerin einer Online Community: : „Ich katheterisiere täglich 3 bis 4 mal, achte dabei auch auf Sauberkeit und dass alles steril ist, trotzdem bekomme ich ca. alle 3 bis 4 Wochen aufs Neue eine Harnwegsinfektion. Gehe dann zur Urologin, die eine Kultur der Bakterien anlegt und mir dann ein Antibiotikum verschreibt. Nun ist es so, dass die Medikamente nicht mehr richtig anschlagen, und ich kaum noch ohne Infektionen bin.“[2]

Warum sind Querschnittgelähmte besonders von Harnwegsinfekten betroffen?

Bei den meisten Menschen mit einer Querschnittlähmung kann das Gehirn keinen Einfluss mehr auf die Funktion der Blase ausüben. Die Blasenfunktion ist in vielen Fällen gestört. Wird die Blase nicht regelmässig entleert, können Blasenentzündungen entstehen. Aber auch eine mangelnde Intimhygiene, ein geschwächtes Immunsystem, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus und Gicht, oder ein Östrogenmangel während und nach den Wechseljahren können Harnwegsinfektionen fördern.

SwiSCI Studie identifiziert Katheter als Risiko

Einen grossen Einfluss auf das Risiko für Harnwegsinfektionen hat die Methode der Blasenentleerung. Eine aktuelle SwiSCI Studie hat untersucht, welche Risikofaktoren während der Erstrehabilitation zu einer Harnwegsinfektion führen können. Während der Studie hatten 43% der Teilnehmer in dieser ersten Phase der Rehabilitation mindestens eine Blasenentzündung (Gesamtanzahl der Teilnehmer: 369). Laut Studie steigt das Risiko besonders, wenn die Blase durch Katheter entleert wird [3]. Dies ist unabhängig von der Art der Katheter, und ob der Katheter selbst oder durch Pflegepersonal gelegt wird. Für alle Formen ist das Risiko einer Harnwegsinfektion 5-6 mal höher als bei einer spontanen Blasenentleerung. Beim Katheterisieren besteht die Gefahr, dass Keime mit dem Katheter in die Blase geschoben werden. Eine spontane Blasenentleerung ist für die meisten Betroffenen aber nicht möglich und das Katheterisieren ist die bestmögliche Methode. Laut Studie ist die Auswahl der Methode in hohem Masse abhängig von der Läsionsart und -höhe, dem Level an Unabhängigkeit in der eigenen Pflege sowie von Alter und Geschlecht.

Das Risiko einer Harnwegsinfektion durch Katheter lässt sich demnach kaum reduzieren. Einen möglichen Durchbruch im Blasenmanagement könnte es in Zukunft aber mit der sogenannten Neuromodulation geben. Lesen Sie im folgenden Kapitel von einer SwiSCI Studie, die testet, ob man die Funktion der Blase erhalten kann und irreversible Schäden gar nicht erst entstehen.

Referenzen

  • [1] Brinkhof MWG, Al-Khodairy A, Eriks-Hoogland I, Fekete C, Hinrichs T, Hund-Georgiadis M, Meier S, Scheel-Sailer A, Schubert M, Reinhardt JD: Health conditions in people with spinal cord injury: Contemporary evidence from a population-based community survey in Switzerland, Journal of Rehabilitation Medicine, 2016 Feb;48(2).
  • [2] Aus: https://community.netdoktor.at, Post vom 17.09.2007, zuletzt eingesehen am 21.02.2018
  • [3] Anderson CE, Chamberlain JD, Jordan X, Kessler TM, Luca E, Möhr S, Pannek J, Schubert M, Brinkhof MWG: Urinary tract infections in spinal cord injury patients undergoing first rehabilitation in Switzerland: Occurrence and risk factors. Eingereicht zur Veröffentlichung.

Tags: Harnwegsinfektion, Blasenfunktion

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