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Albert Marti

„Wir koordinieren die Entwicklung von Hilfsmitteln, die es auf dem kommerziellen Markt nicht gibt“

Interview mit Albert Marti zum neuen Bereich „Innovation und Entwicklung“ an der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung

Herr Marti, was genau versteht man unter der „Koordinationsstelle Innovation und Entwicklung“ und welche Ziele verfolgen Sie?

Wir sind der erste Ansprechpartner für Personen mit innovativen Ideen und helfen, diese umzusetzen. Unsere Aufgabe ist es, Projekte zur Entwicklung von Hilfsmitteln aufzugleisen und professionell zu steuern. Wir entwickeln also selber keine Hilfsmittel, aber wir möchten Personen zusammenführen und unterstützen, die einerseits tolle Einfälle und andererseits Fachwissen und Erfahrung haben. Dabei sind wir die Schnittstelle zwischen Experten, zum Beispiel aus der Schweizer Paraplegiker Gruppe in Nottwil, Betroffenen und Firmen, aber auch Fachhochschulen und Universitäten.

Wer kann sich bei Ihnen melden und welche Art von Hilfsmitteln unterstützen Sie?

Wir sind generell für jeden offen, der eine innovative Idee zum Nutzen der Menschen mit Querschnittlähmung hat. Das können Betroffene selber sein, aber auch ihre Angehörigen, Personen aus der Pflege oder Therapeuten. Auch bei der Art der Hilfsmittel gibt es keine Einschränkungen. Das können beispielsweise Hilfsmittel für die Mobilität, für den Transfer, Hilfen in der Küche oder für die Kommunikation sein. Wichtig ist uns, Hilfsmittel zu entwickeln, die es nicht schon auf dem Markt gibt. Damit sind auch kleine Sachen gemeint, deren Bedarf sich aus dem Alltag heraus entwickelt. Unser primäres Ziel ist es, den bestehenden Markt innovativ zu ergänzen.

Wie gehen Sie vor, wenn jemand mit einer Projektidee zu Ihnen kommt?

Zunächst einmal klären wir ab, welchen Nutzen das Hilfsmittel für Querschnittgelähmte hätte: Was würde es den Betroffenen konkret bringen? Welche Vorteile hätten sie von diesem Produkt? Zusammen mit Fachpersonen schauen wir an, ob es bereits ähnliche Produkte gibt, beziehungsweise welche „Lücke“ ein solches Produkt schliessen könnte. Sieht dies vielversprechend aus, wird in Zusammenarbeit mit dem Ideengeber ein detaillierter Projektplan erarbeitet. Anschliessend entscheidet ein Lenkungsausschuss über die Durchführung des Projektes. Ist das Projekt angelaufen, übernimmt die Koordinationsstelle Kontroll- und Steuerungsaufgaben.

Welche Projekte sind bereits in Entwicklung?

Momentan haben wir circa zwanzig kleinere und grössere laufende Projekte. Wir begleiten zum Beispiel ein Projekt der Orthotec AG, in dem es um die Entwicklung einer verbesserten Unterschenkelorthese geht. Wir sind auch bei der Entwicklung einer Software involviert, welche mittels Augen- und Gesichtsgestik einen Computer steuert. Auf diese Weise können hochgelähmte Menschen einen PC einfacher bedienen. Bei all unseren Projekten arbeiten wir eng mit Fachpersonen aus der Praxis und der Wissenschaft in der gesamten Schweiz zusammen.

Herr Marti, ich danke Ihnen für das Gespräch!

Albert Marti

Albert Marti

Leiter Koordinationsstelle «Innovation und Entwicklung» der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung
    

Tags: Hilfsmittel, Innovation

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