SwiSCI
Swiss Spinal Cord Injury Cohort Study
Schweizer Kohortenstudie für Menschen mit Rückenmarksverletzungen

Gesundheitlich gut versorgt – Warum ist das wichtig für Menschen mit Querschnittlähmung?

Gesundheitlich gut versorgt – Warum ist das wichtig für Menschen mit Querschnittlähmung?

Gesundheitlich gut versorgt – Warum ist das wichtig für Menschen mit Querschnittlähmung?

"Ich bin sehr froh, dass ich einen Hausarzt in der Nähe habe, der etwas von Querschnittlähmung versteht. Er prüft meine Blutwerte und meinen Urinstatus regelmässig, und bei Problemen klärt er das weitere Vorgehen zuerst mit Spezialisten des Paraplegikerzentrums. Als querschnittgelähmte Person fühle ich mich gut betreut und ich kann mir die ein- oder andere Fahrt ins Paraplegikerzentrum sparen."

Patricia Arnold ist seit 10 Jahren querschnittgelähmt. Die 61-Jährige ist Paraplegikerin und wohnt mit ihrem Mann in einem kleinen Ort im Bündner Land. Bei gesundheitlichen Problemen konsultiert sie ihren Hausarzt im Nachbarort, der sich in paraplegiologischen Themen weitergebildet hat.

Diese Grundausbildung von Hausärzten wurde durch ein Pilotprojekt der SwiSCI Studie initiiert, das sogenannte "Hausarztprojekt". Es soll gewährleisten, dass sich Menschen mit Querschnittlähmung bei gesundheitlichen Problemen zunächst an einen fachkundigen Hausarzt in ihrer Nähe wenden können. Dieser ist in der Lage, ihre gesundheitliche Situation spezifischer zu beurteilen als ein Hausarzt ohne zusätzliche Kenntnisse. So ist er bei Kontrollen und Behandlungen auf querschnittsspezifische Komplikationen und Risiken sensibilisiert und weiss, auf welche Symptome, Organe oder Laborwerte er besonders achten muss. Gleichzeitig schätzt er besser ein, wann eine Überweisung zum Spezialisten angezeigt ist.

Doch warum ist eine gute Gesundheitsversorgung eigentlich so wichtig für Menschen mit Querschnittlähmung?

Lebenslange Nachsorge ermöglicht bestmögliche Gesundheit

Menschen mit Querschnittlähmung sind oftmals mit einer Vielzahl an gesundheitlichen Problemen konfrontiert, die nach einer Rückenmarksverletzung auftreten können. Dazu gehören häufig Spastizität, Schmerzen und Störungen der Blasen- und Darmfunktionen. [1]

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Die Grafik zeigt, wie viele Menschen mit Querschnittlähmung von den häufigsten Erkrankungen und Komplikationen betroffen sind.

Zugleich ist das Risiko für altersbedingte Gesundheitsprobleme, wie zum Beispiel Diabetes, Herzkrankheiten und bestimmte Krebsformen bei Menschen mit einer Querschnittlähmung erhöht. [4], [5] Betroffene sind deshalb auf eine breitere Palette an Gesundheitsdiensten angewiesen als Menschen ohne Querschnittlähmung. Umso höher ist deshalb die Bedeutung der lebenslangen Nachsorge: Sie ist wichtig, um medizinischen Problemen vorzubeugen, sie frühzeitig zu diagnostizieren, und den Rehabilitationsprozess regelmässig zu überprüfen.

«Ein wichtiges Element der lebenslangen Nachsorge sind die ambulanten Jahreskontrollen", so Dr. med. Inge Eriks-Hoogland, Leitende Ärztin und Leiterin des Ambulatoriums SPZ. "Hier klären wir interdisziplinär sowohl medizinische als auch rehabilitative Probleme, wie Spitexbedarf, Hilfsmittel oder Therapien." »

Inge Eriks-Hoogland

Inge Eriks-Hoogland

Inge Eriks-Hoogland, Leitende Ärztin und Leiterin des Ambulatoriums Schweizer Paraplegiker-Zentrum

Die Jahreskontrollen haben einen starken präventiven Charakter, denn eine Person mit Querschnittlähmung kann Veränderungen im Körper nicht auf die gleiche Weise spüren wie eine Person ohne Querschnittlähmung. "Ein typisches Beispiel ist die Sitzposition im Rollstuhl. Stimmt sie nicht 100%ig, kann dies zu massiven Druckstellen oder zu einer Überbelastung der Schultern führen. Dies können wir zu einem grossen Teil in den regelmässigen Kontrollen auffangen", so die Paraplegiologin.

Der Blick aufs Ganze trägt in der lebenslangen Nachsorge also nicht nur zu einer bestmöglichen Gesunderhaltung bei, sondern ist wichtig für die Lebensqualität und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben.

Spezialisierte Gesundheitsversorgung hat einen Einfluss auf die Lebenserwartung

Resultate der SwiSCI Studie heben die wichtige Bedeutung der klinischen Nachsorge hervor. Demnach haben die ambulanten Kontrollen sogar Auswirkungen auf die Lebenserwartung: Nehmen Betroffene ihre Nachsorge nicht wahr, so haben sie statistisch eine kürzere Lebenserwartung. Dies gilt vor allem für Menschen mit einer traumatischen, also unfallbedingten Querschnittlähmung. Das Sterberisiko ist bei ihnen etwa dreimal höher im Vergleich zu Personen, die ihre Nachsorge-Untersuchungen jedes Jahr wahrnehmen. [2]

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Regelmässige Nachsorge hat einen Einfluss auf Gesundheit und Lebenserwartung 

Die Wissenschaftler schliessen daraus, dass sich unerkannte oder zu spät behandelte Erkrankungen langfristig negativ auf den Gesundheitszustand und damit auch auf die Lebenserwartung auswirken. Muss sich der Körper häufig oder gar dauerhaft mit Infektionen oder Herzkreislauferkrankungen auseinandersetzen, so verliert er seine Regenerationsfähigkeit und altert schneller. Dies setzt die Lebenserwartung nachweislich herab. [3]

Die Vorsorge und frühzeitige Diagnose von Erkrankungen sind sehr wichtig. Betroffene können so dazu beitragen, dass Erkrankungen nur einen milden Verlauf nehmen oder gar nicht erst ausbrechen.

Regionale ambulante Versorgungsangebote erleichtern regelmässige Kontrollen

Bestimmte Personengruppen tendieren eher dazu, ihre regelmässigen Kontrollen nicht wahrzunehmen. Dazu gehören Personen, bei denen die Querschnittlähmung erst in höherem Alter eintrat (über 60), Personen mit inkompletten Lähmungsformen, sowie Personen, die mehr als 30 Minuten Fahrtzeit vom nächsten Paraplegikerzentrum entfernt wohnen. [2]

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Eine lange Fahrt in Kauf nehmen oder nicht? Die Distanz zum spezialisierten Zentrum spielt für Patienten eine grosse Rolle in ihrer Gesundheitsversorgung.

Gerade für den letztgenannten Faktor, die längere Fahrzeit, konnten in den letzten Jahren bereits zwei Massnahmen umgesetzt werden, die vielen Betroffenen eine Erleichterung brachten: Die Eröffnung der beiden dezentralen Ambulatorien in Lausanne und Bellinzona. Sie haben dazu geführt, dass Menschen mit Querschnittlähmung aus diesen Regionen eine bestmögliche ambulante Versorgung erhalten und nicht mehr in ein weit entferntes spezialisiertes Zentrum fahren müssen.

Nun kann auch das SwiSCI Hausarztprojekt dazu beitragen, dass Querschnittgelähmte insbesondere in abgelegenen Regionen eine verbesserte Grundversorgung erhalten, die rückenmarksspezifisch ist.

Doch um was geht es in dem Projekt eigentlich genau?

Referenzen

[1] Brinkhof MWG, Al-Khodairy A, Eriks-Hoogland I, Fekete C, Hinrichs T, Hund-Georgiadis M, Meier S, Scheel-Sailer A, Schubert M, Reinhardt JD: Health conditions in people with spinal cord injury: Contemporary evidence from a population-based community survey in Switzerland, Journal of Rehabilitation Medicine, 2016 Feb;48(2).

[2] Chamberlain JD, Eriks-Hoogland IE, Hug K, Jordan X, Schubert M, Brinkhof MWG: Attrition from specialised rehabilitation associated with an elevated mortality risk: results from a vital status tracing study in Swiss spinal cord injured patients. BMJ Open. 2020. 10(7).

[3] Chamberlain JD, Buzzell A, Gmünder HP, Hug K, Jordan X, Moser A, Schubert M, Zwahlen M, Brinkhof MWG: SwiSCI cohort study and the Swiss National Cohort: Excess burden of a chronic disabling condition: life lost due to traumatic spinal cord injury in a Swiss population-based cohort study. Int J Public Health. 2019 May 30.

[4] Gater Jr DR, et al.: Prevalence of metabolic syndrome in veterans with spinal cord injury. The journal of spinal cord medicine, 2019. 42(1): p. 86-93.

[5] Böthig R, et al.: Neuro-urologische Diagnostik und Therapie bei Funktionsstörungen des unteren Harntrakts nach einer Rückenmarkschädigung. Der Urologe, 2017. 56(6): p. 785-792.

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